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Samtweicher Frühlingswind und Kuckucksrufe

Im Laufe des April beginnt die Sonne zu wärmen, und die Temperaturen sinken nur noch nachts unter den Gefrierpunkt. Noch ist der Fluss gefroren und trägt die Fischer, die täglich ihre Netze kontrollieren, doch der tauende Schnee überschwemmt das Eis schon mit Wasserlachen. Überall plätschert und rinnt es, bis der Wasserspiegel von Tungir und Oljokma steigt und die starre Eisdecke der Flüsse grobe Sprünge bekommt. Anfang Mai setzt sie sich langsam in Bewegung; große Verbände schieben sich vorwärts, bis sie schließlich in kleinere Schollen zerbrechen. Sie sinken relativ plötzlich ins Wasser und verursachen eine Hochwasserwelle, die sich rasch wieder verläuft, aber dicke Eisschollen übereinandergestapelt an den Ufern stranden lässt. Viele von ihnen haben die Reinheit des Winters bewahrt und leuchten wie riesige Aquamarine in unberührtem, hellen Blau aus dem Chaos hervor. Unablässig und tagelang schwimmt das in der Sonne weiß strahlende Eis in schnellem Tempo den Fluss hinab, dessen Wasser von all dem hineingespültem Erdreich braun und schmutzig ist.

 

Mitte Mai beginnen die zahllosen Lärchen mit ihren noch winzigen, feinen, grünen Nadeln die Umgebung in einen hellgrünen Schimmer zu hüllen, der täglich intensiver wird, bis sie in ihrer vollen Frühlingspracht einen herrlichen Anblick bieten. Auch die Birken treiben aus und wiegen bald nach den Lärchen ihre Blättchen im Frühlingswind. Unablässig ruft der Kuckuck, und in den sumpfigen Wiesen blühen buttergelbe Blumen in dicken Büscheln. Ende Mai ist für den Bogulnik die Zeit gekommen, seine vielen pinkfarbenen Blüten zu öffnen. Seine Sträucher bilden farbige Inseln im Wald und entlang der Ufer vor dem intensiven Hellgrün der Lärchen.

 

In den Felsen blüht der gelbe Mohn und kleine, dem Vergissmeinnicht ähnliche Blümchen bilden blaue Flächen. Weiß und gelb blühende Sträucher fügen weitere Farbtupfer hinzu. Und was den Frühling besonders schön macht – es gibt bis etwa Mitte Juni noch keine Mücken!

 Frühling in der Taiga